Montag, 28. Mai 2018

Gastbeitrag Nora Dudene: Abschluss in Petauke/Sambia

Young Leader Nora und Manager Jan sind zwar nun schon ein paar Wochen wieder zurück in Deutschland, den finalen Erfahrungsbericht unseres Tandems aus dem Projekt in Sambia wollen wir euch aber nicht vorenthalten. Viel zu spannend finden wir Noras Eindruck aus dem Landwirtschaftsprojekt in Petauke, für das sie mit Jan als Manager-ohne-Grenzen-Tandem nach Sambia gereist ist.
Was der Aufenthalt bewirkt hat, bei ihr und im Projekt:

Projektpartner Jon bei der Feldarbeit
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Die Woche nach Ostern sollte anstrengend werden. Nach der Halbzeit im Projekt wollten wir nun endlich den ganzen Worten Taten folgen lassen! Wir haben viele Menschen getroffen, Unternehmen besucht, mit Interessensgruppen gesprochen und die Besonderheiten im Petauke District untersucht. Wir haben Ideen entwickelt und uns Vorgehensweisen überlegt, diskutiert und über Herausforderungen gegrübelt. 

Doch was wollen und vor allem brauchen eigentlich die Menschen, die an Chakulya direkt beteiligt
sind, beziehungsweise aus dem Handeln Chakulya‘s einen Nutzen ziehen können? Wie kann es
Chakulya schaffen für die lokale Bevölkerung einen nachhaltigen Mehrwehrt zu generieren? 

Die nächsten Tage standen also ganz im Zeichen der wichtigsten Stakeholder der Chakulya Grain Company Ltd. So begann der Dienstag nach Ostern direkt mit einem positiven Treffen mit einem Vertreter der Reformed Church Zambia, die direkt an dem Unternehmen beteiligt ist. In diesem Gespräch stellte sich nicht nur heraus, dass die Kirche und die Diakonie sehr aktiv Projekte zur Bekämpfung der Unterernährung in Petauke unterstützt, welcher in ganz Sambia der von Unterernährung am stärksten betroffene District ist, sondern auch dass sie über eine große Menge an Informationen und Manpower in Bezug auf landwirtschaftliche Aspekte verfügt. Einer engeren Zusammenarbeit und einem Austausch des Knowhows stehen also nichts im Wege. 

Besuch der örtlichen Radiostation
Auch der Besuch bei der lokalen Radiostation, die fast die komplette Eastern Province sowie Teile Mosambik’s erreicht, war sehr erfolgreich. Da bereits persönliche Kontakte sowie eine regelmäßige Sendung mit landwirtschaftlichen Themen bestehen, nutzten wir diese Ausgangslage um eine Intensivierung der Zusammenarbeit zu vereinbaren. Chakulya und vor allem das Angebot zur Lagerung der Ernte der Farmer müssen bekannter werden, damit die Farmer ihre Produkte über das Jahr flexibel zu den bestmöglichsten Marktverhältnissen verkaufen können. Neben klassischer Radiowerbung soll Chakulya nun auch im Rahmen der regelmäßigen Sendung stärker promotet werden!

Radio-Interview mit Manager Jan
Mittwoch nutzten wir überwiegend zur Arbeit in unserem „Home Office“, einem Plastiktisch mit zwei Stühlen unter Palmen im Garten unserer Unterkunft. Denn für den kommenden Tag hatten wir Großes geplant: einen Workshop mit dem Board der Farmer’s Cooperative, die später einmal Mehrheitseigentümer von Chakulya werden soll. Denn wir wollten nicht einfach nur die Weißen sein, die es besser wissen und die betroffenen Menschen hier vor vollendete Tatsachen in Bezug auf die Zukunft von Chakulya stellen. Wir sind weder in Landwirtschaft ausgebildet, noch sind wir Experten für den Agrarmarkt und die besonderen Herausforderungen im ländlichen Sambia. Die Experten sind die Farmer und Bauern, die zum Teil seit Generationen in Petauke Landwirtschaft betreiben und im Board der Cooperative vertreten sind. Diese Menschen müssen ein Gefühl des Identifizierens und der Verantwortlichkeit mit und für das Unternehmen Chakulya entwickeln – sie müssen ein Gespür für ihre Position als Miteigentümer bekommen und somit die Motivation für Veränderung entwickeln!

Bepackt mit den vorbereiteten Plakaten und aufgeregt auf den bevorstehenden Tag, fuhren wir am folgenden Morgen zum Unternehmensgelände, begleitet von den fröhlichen Gesängen der Frauen, die wir auf der Ladefläche des Trucks ein Stück mitnahmen. Pünktlich im Sinne des afrikanischen Zeitverständnisses starteten wir mit knapp zwei Stunden Verspätung. Überrascht wurden wir, als der Chairman der Cooperative, John Mwanza, zunächst die Leitung übernahm und für UNSEREN Workshop eine Agenda erstellte. Doch es freute uns, trainierten wir ihn doch bereits seit 2 Wochen im Bereich des Leaderships, was er nun in die Tat umsetzte. Nach dem Gebet zur Eröffnung des Workshops, denn wie wir bereits lernten hat Religion einen unheimlich hohen Stellwert in der sambischen Gesellschaft, und ein paar Begrüßungsworten durch John, wurde uns das Zepter übergeben. 
Vorbereitung für den Workshop
Die kommenden Stunden waren gefüllt mit dem Entwickeln einer gemeinsamen Vision und Mission, dem Definieren gemeinsamer Werte sowie der Festlegung von Zielen für Chakulya. Mit einer klassischen Strategiepyramide als Grundlage, analysierten wir die Ausgangslage des Unternehmens genauer und ließen die Cooperative in Gruppenarbeit eine herkömmliche SWOT-Analyse durchführen. Von den Ergebnissen waren wir begeistert – zwar hatten wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht und Ideen vorbereitet, doch zeigte sich hier wieder, wer die lokalen Experten sind. Zu der Präsentation der sehr ausführlichen Lösung hatten wir nur wenige Punkte hinzuzufügen. In der folgenden Pause konnten wir uns sambisches Essen schmecken lassen, das auf einem innovativen „Rocket Stove“ gekocht wurde, den Jan auf dem lokalen Markt hat bauen lassen. Dieser verbraucht deutlich weniger Holz, arbeitet schneller und produziert vor allem bedeutend weniger Rauch, wogegen die Verwendung eines klassischen „3 Stone Fires“ bei vielen Frauen aufgrund des starken Rauchs zu schweren, gesundheitlichen Problemen führt. 

Nach dem Essen ging der Workshop weiter und die wohl bedeutendste Aufgabe stand uns bevor: mit einem Business Model Canvas wollten wir nun gemeinsam mit der Cooperative einen Weg für die Zukunft Chakulya’s entwickeln. Überraschend schnell füllten sich die verschiedenen Felder des Modells - zunächst mit Aspekten der aktuellen Situation, aber zunehmend auch mit Themen für die Zukunft Chakulya’s. Immer mehr deutete darauf hin, dass die Zukunft Chakulya’s vor allem in der Bereitstellung von Informationen für nachhaltige und innovative Landwirtschaft mit allem was dazu gehört gesehen wird. Wir entwickelten ein Konzept, das unsere gemeinsame Vision von Chakulya als „Leader for agricultural innovation and development in the Eastern Province of Zambia“ unterstützt.

Als „Center for knowledge and innovation“ soll Chakulya zukünftig neben dem bestehenden Geschäft der Ernteeinlagerung, als Beispiel in innovativer Landwirtschaft vorangehen und beispielsweise sogenannte demo plots anlegen, die die optimale Bewirtschaftung von Boden und Land zeigen, Diversifizierung promoten und somit die langfristige Verbesserung der Bodenqualität bewerben. Innovative Produkte, wie zum Beispiel eine Biogasanlage, die als Nebenprodukt hochwertigen Dünger produziert, Bienenstöcke, aber auch die Rocket Stoves sollen zukünftig promotet werden. Während sogenannter „field days“ oder in spezifischen Trainingseinheiten sollen sich die Farmer der Umgebung zukünftig weiterbilden können – große Infrastrukturprojekte in der Umgebung begünstigen diese Entwicklung. Auch die Thematik der Wertschöpfung wurde besprochen und sollte sich der Markt entsprechend entwickeln, ist die Anschaffung einer Mühle eine Option, die beispielsweise meali meal (Maismehl) produzieren kann.

"Rocket Stove"
Nach einem langen Tag beenden wir den Workshop mit einem Closing Prayer. Die Board Member der Cooperative hatten Spaß und konnten sich stark in die Entwicklung ihres Unternehmens einbringen und danken herzlichst für das, was sie von uns lernen konnten. Sie waren begeistert bei der Sache und haben in den Pausen enthusiastisch alles abgeschrieben, was wir gemeinsam auf den Plakaten erarbeitet hatten. Aber auch wir haben an diesem Tag wieder einmal viel über dieses faszinierende Land gelernt! Die Sonne geht langsam unter und wir machen uns auf den Heimweg in Richtung unserer Unterkunft – vorbei an Kühen, Ziegen und Hühnern, die scheinbar herrenlos durch die Umgebung ziehen, aber ein überraschendes Verkehrsverständnis zeigen und von der Straße springen, wenn wir in unserem Truck angerauscht kommen. All die kleinen und großen Abenteuer machen unsere Zeit hier zu etwas Besonderem mit vielen prägenden Eindrücken für die Zukunft.

Das Klima schafft einen – alles erscheint viel anstrengender und am Ende des Tages fallen wir todmüde ins Bett. Das Wochenende würde mit genug Arbeit auf uns warten: wir nutzen es für weitere Besuche bei Mitgliedern der Farmer’s Cooperative, das Mid Term Reporting für MoG und zur Auswertung des Workshops. Denn die Ergebnisse sollen in unserer letzten und finalen Woche im Projekt in einen konkreten Maßnahmenplan eingearbeitet werden!

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