Montag, 19. März 2018

Gastbeitrag: Jan und Nora in Sambia angekommen

Manager Jan und Young Leader Nora starteten am 8. März 2018 in den Einsatz mit der Stiftung managerohnegrenzen nach Sambia. Wie sich der Einstieg im Projekt anfühlt und welche Situationen unser Tandem in den ersten Tagen meisterte: ein Gastbeitrag von Nora Dudene.







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Angekommen im Herzen Afrikas


Abflug in FFM
Zwei Monate der Vorbereitungen, gefüllt mit unzähligen Besuchen beim Tropenmediziner, dem Packen von Wasserfilter, Moskitonetz und Outdoorkamera, sowie nächtelanger Recherchen um die Neugier über unser Zielland Sambia zu stillen, wollten nicht vergehen.
Doch nur einen Wimpernschlag später saßen Jan und ich schon im Flieger, welcher uns via Amsterdam und Nairobi mit Blick über scheinbar endlose und unberührte Wildnis nach Lusaka brachte. Mit dem ersten Schritt aus dem Flieger traten wir in eine Welt, die wir seit Wochen zu verstehen versuchten, die uns aber doch anders als in unseren Vorstellungen begegnen würde.
Der Duft des noch regennassen Teers des in der Sonne dampfenden Vorfeldes war der erste Gruß des subtropischen Klimas und dem näherkommenden Ende der Regenzeit Sambias, die das Land in ein fruchtbares, grünes Paradies getaucht hatte.

Die ersten Tage in Lusaka waren wir auf einem alten Landhaus untergebracht, das zwar wunderschön ist, aber die durchschnittlichen Lebensumstände der Sambier nicht widerspiegelt. Während unserem ersten Stromausfall an unserem Ankunftstag erzählte uns unsere Gastmutter bei Kerzenlicht über verschiedene Gepflogenheiten in dem uns noch immer so fremden Land.

Christoph und Jan in Lusaka
Mit dem Deutschen Christoph, der Sambia seit 5 Jahren Zuhause nennt, erkundeten wir am nächsten Tag Lusaka. Nach einer Einführung in das Lebensmittelgeschäft in einer der vielen südafrikanischen Malls, ging es durch vom Regen gefüllte Straßen nach Downtown. Auf dem City Market hieß es dann endlich „Welcome to the real Africa“. Neben Unmengen an importierten Kleiderspenden aus Europa und dem Rest der Welt, findet man hier alles was das Herz begehrt. Werkzeuge, Küchenutensilien und Pflegeprodukte reihen sich an Obst- und Gemüsestände soweit das Auge reicht. Pyramiden aus tiefroten Tomaten, palettenweise Hühnereier und melonengroße Avocados neigen zu der Auffassung, dass nahrhafte Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind.

Doch der Besuch von sogenannten Compounds, wo der überwiegende Teil der sambischen Bevölkerung geboren wird, lebt und stirbt, holt uns auf den Boden der Tatsachen und bringt einen neuen Blick auf Armut. Unmengen Menschen treiben durch die Staubgassen, die so durchlöchert sind, dass man befürchtet der Geländewagen würde umkippen. Neben einfachen Hütten sitzen zahlreiche Menschen, zum Teil hinter einem einfachen Grill, auf dem Maiskolben sich goldbraun färben. Neben der massiven Arbeitslosigkeit ist hier auch das junge Alter der Bevölkerung zu erkennen - das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt nicht einmal 17 Jahre. Die „Slums“ von Lusaka haben sich zu eigenen Communities entwickelt, die auf eine Art zusammenleben, die von Tauschhandel und gegenseitigem Zusammenhalt geprägt ist. Die Menschen arrangieren ihr Leben in den Secondhand-Klamotten auf eine so würdevolle Art und Weise, sodass uns von Reichtum eine neue Auffassung vermittelt wurde.

City Market
Dennoch ist die Mangelernährung, vor allem bei der jungen Bevölkerung, nicht zu übersehen. Obwohl die Kinder zum Teil wohlgenährt aussehen, sind sie doch für ihr Alter oft viel zu klein. Obwohl „nshima“, das eine Art Maisbrei ist und bei dem Großteil der Bevölkerung das Hauptnahrungsmittel darstellt, sehr sättigend ist, führt die Eintönigkeit der Ernährung jedoch zu starken Mangelerscheinungen aufgrund der fehlenden Nährstoffe. Dieses Problem führt vor allem bei der jungen Bevölkerung zu Störungen in der Entwicklung und langfristigen Schäden und bei den Älteren zu schwerwiegenden Problemen in der Gesundheit.
Diese Probleme stehen auch in Zusammenhang mit dem Projekt, für welches wir nach Sambia gereist sind. Das Projekt in Petauke, Eastern Province, befasst sich mit der Unterstützung des Managements einer Kooperation von Bauern. Im Zentrum steht die effiziente Nutzung von Lagermöglichkeiten und einer Weiterentwicklung des Geschäftsmodels für ein nachhaltiges Handeln in der Zukunft. Ein großer Aspekt ist hier auch die Thematik der Diversifizierung, die zu einer Verbesserung der Ernährungssituation der sambischen Bevölkerung führen soll.

Nach einem abschließenden Besuch eines wundervollen Gottesdienstes, der mit fröhlichem Gesang und einem Gefühl der Gemeinsamkeit gefüllt war, verließen wir am nächsten Morgen Lusaka und traten gemeinsam mit Chris unsere Reise nach Choma in die Southern Province an. Die folgende Woche soll gefüllt sein von Gesprächen mit lokalen Experten, den Besuchen von Märkten, Compounds und ländlichen Gegenden um Land und Leute besser kennenzulernen, den Agrarmarkt zu verstehen und Informationen für das Projekt in Petauke zu sammeln.

Die Zeit vergeht hier langsamer. Nach nur wenigen Tagen fühlen wir uns als wären wir bereits mehrere Wochen in diesem unglaublich vielseitigen Land unterwegs. Die Freundlichkeit der Menschen, welche immer ein Lächeln im Gesicht tragen und eine Ausstrahlung voll Würde und Stolz haben, fasziniert uns. Gespannt sitzen wir im Geländewagen, der uns über holprige Straßen vorbei an zahlreichen Straßenständen in das ländliche Afrika bringt.

Willkommen im Herzen Afrikas!

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